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Anforderungen an Grundbildung

Anforderungen an Grundbildung

Wenn heutzutage Schulabsolventen nicht über eine ausreichende Ausbildungsreife verfügen bzw. Geringqualifizierte einen neuen Arbeitsplatz suchen, sind sie einem vergleichsweise höheren Arbeitsmarktrisiko ausgesetzt als etwa vor 30 Jahren. Durch die weiter fortschreitende Automatisierung der Produktion und Digitalisierung haben sich Arbeitsprozesse kontinuierlich gewandelt. Damit verbunden sind die Anforderungen an die Arbeitstätigkeiten und somit an die Qualifikation der Erwerbstätigen gestiegen. Dies schließt auch die basalen Lese- und Schreibfähigkeiten ein.

Von Schulabsolventen erwarten Unternehmen mindestens grundlegende Kompetenzen in der deutschen Sprache, im Rechnen und in den Sozial- und Personalkompetenzen, um eine Ausbildung bewältigen zu können. Einerseits ist ein weiterer Wissenserwerb ohne ausreichende Kernkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen überhaupt nicht möglich. Andererseits werden Kompetenzen wichtiger, die helfen, mit neuen Bedingungen umzugehen, da die Halbwertzeit des beruflichen Fachwissens sich immer schneller verkürzt. Dies zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung des IW Köln bei 1.114 Unternehmen (davon 911 ausbildungsaktive Unternehmen).

Welche Anforderungen Unternehmen mindestens von Geringqualifizierten – also Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss – erwarten, illustriert die folgende Tabelle:

Mindestanforderungen der Unternehmen an Geringqualifizierte
Auf die Frage: „Welche Mindestkompetenzen setzt Ihr Unternehmen bei Geringqualifizierten voraus?“ antworteten so viel Prozent der befragten Unternehmen …

Kompetenz

Ja, unverzichtbar

Eher unverzichtbar

Summe

Ehrlichkeit

88,7

8,7

97,5

Zuverlässigkeit

88,5

8,8

97,3

Pünktlichkeit

83,9

13,2

97,1

Leistungsbereitschaft

85,8

10,6

96,5

Situationsangemessen deutsch sprechen

77,1

19,2

96,3

Umgangsformen

66,7

29,6

96,3

Lernbereitschaft

74,7

20,2

94,9

Sachverhalte mündlich verständlich darstellen

65,5

28,5

94,0

Teamfähigkeit

71,4

22,4

93,8

Tätigkeitsrelevante Texte verstehen

55,6

34,1

89,7

Grundrechenarten beherrschen

59,2

30,2

89,4

Flexibilität(zum Beispiel Bereitschaft zur Schichtarbeit)

53,7

32,3

86,0

Redebeiträge verstehen und angemessen wiedergeben (Arbeitsanweisungen, Kundenkontakte)

43,1

39,9

83,0

Einfache Sachverhalte schriftlich formulieren

46,8

35,7

82,5

Brüche / Dezimalbrüche beherrschen

25,3

31,0

56,3

Flächenberechnungen / Körperoberflächenberechnungen beherrschen

13,8

21,1

34,9

 
Differenz zu 100 Prozent: Antwortkategorien „Eher nein“ und „Nein, verzichtbar“; Rundungsdifferenzen möglich Befragung von 1.114 Unternehmen zum Jahresende 2010; Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

Das fachliche Wissen und Können muss einhergehen mit Fähigkeiten wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität sowie situationsangemessenem Deutsch. Das bestätigen auch die aktuellen Ergebnisse einer IW-Online-Stellenanalyse. Neben fachlichem Know-how setzen Personalverantwortliche bei der Suche nach Beschäftigten im Helferbereich vor allem auf klassische Arbeitstugenden und Deutschkenntnisse.

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