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Förderangebote

Angebote zur arbeitsplatzorientierten Grundbildung sind in der Regel kosten- und zeitintensiv. Laut IW-Weiterbildungserhebung von 2013 umfasst die durchschnittliche betriebliche Weiterbildung 33 Teilnehmerstunden je Mitarbeiter/in und Jahr. Damit Maßnahmen zur nachholenden Grundbildung deutliche Lernzuwächse erreichen, ist ein Stundenumfang von 100 bis 150 Stunden empfehlenswert – wie in Evaluationsstudien der Programme zur Förderung der so genannten Workplace Basic Education im Vereinten Königreich festgestellt wurde.

Die von Unternehmen finanzierte Weiterbildung ist eher auf kurzzeitige Maßnahmen und vorrangig auf die Aktualisierung von Know-how und Kompetenzen ausgerichtet. Damit überschreitet eine erfolgversprechende Förderung von literaler Grundbildung die Zeitkontingente und Budgets der betrieblichen Weiterbildung erheblich. So geben die im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes „Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“ (Zeitraum 2008 bis 2011) konzipierten und erprobten Maßnahmen und Angebote zur nachholenden Grundbildung eine Orientierung hinsichtlich des erforderlichen finanziellen Aufwands, um Erwachsenen grundlegende Lese- und Schreibfähigkeiten im Nachhinein zu vermitteln. Die Kursvolumina reichten von 75 Stunden (Teilzeit-Kurse) bis zu 800 Stunden (Vollzeit-Kurse ohne Praktika). Damit Betriebe arbeitsplatzorientierte Grundbildung effektiv fördern können, bedarf es deshalb einer finanziellen Unterstützung.

Bisher gibt es in Deutschland nur wenige Erfahrungen mit speziellen staatlichen Programmen zur Förderung von Grundbildung, die sich gezielt an funktionale Analphabeten oder Erwerbspersonen mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten wenden. Notwendige spezifische arbeitsmarktpolitische Instrumente zur Förderung der Alphabetisierung und Grundbildung von geringqualifizierten Erwerbspersonen sind nicht vorhanden. Auch eine Förderung im Sinne der „Förderung der beruflichen Weiterbildung“ (FbW) ist nicht möglich, denn § 85 Abs. 4 SGB III schließt allgemeinbildende oder grundbildende Inhalte grundsätzlich aus der FbW aus. Lediglich das 2006 von der Bundesagentur für Arbeit (BA) aufgelegte Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (WeGebAU) schließt die Möglichkeit der nachholenden Grundbildung ein – allerdings nur unter ganz spezifischen Bedingungen.

Das BMBF hat das Thema in Deutschland auf die förderpolitische Agenda gesetzt und dazu im Jahr 2007 das bislang größte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland initiiert. Der anschließend aufgelegte Förderschwerpunkt (2012 bis 2015) nahm ausschließlich die „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ in den Blick. Im Rahmen dieses Programms konnten kostenlos Fördermaßnahmen für und mit Unternehmen umgesetzt werden.

Um über die Laufzeit hinaus nach 2015 Angebote zur nachholenden Grundbildung implementieren zu können, ist es erforderlich, über bildungspolitische Förderprogramme hinaus die zeit- und kostenintensiven Grundbildungsangebote für Erwachsene mit arbeitsmarktökonomischen Förderinstrumenten zu flankieren. Bei der Umsetzung von arbeitsplatzbezogener Grundbildung muss grundsätzlich beachtet werden, dass die Unternehmen zur Behebung einer Problematik in die Verantwortung genommen werden, für deren Entstehen sie nicht verantwortlich sind.