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Beschäftigungsfähigkeit

Wer bereits beim Übergang von den allgemeinbildenden Schulen in den Beruf keine ausreichende Grundbildung hat und diese nicht aufholt, ist mit einem weit höheren Risiko auf dem Arbeitsmarkt belastet als andere Personengruppen. Geringqualifizierte sind tendenziell eher von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit einer Berufsausbildung und sie erzielen niedrigere Löhne. Der Anteil der Arbeitslosen unter den Geringqualifizierten – unabhängig von Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft – war 2012 fast viermal so hoch wie bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und beinahe achtmal höher als bei Akademikern/innen.

Die Beschäftigungschancen für Personen, die lediglich einfache Tätigkeiten ausführen können, konzentrieren sich daher auf wenige Branchen (siehe Tabelle: Geringqualifizierte nach Branchen). Einfache Arbeitstätigkeiten sind demnach zwar vorhanden, aber in immer reduzierterem Ausmaß und verbunden mit geringeren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Für die Erwerbstätigen ohne berufliche Qualifikationen heißt das, dass auch sie sich den gestiegenen Anforderungen kontinuierlich anpassen müssen. Lebenslanges Lernen ist deshalb kein inhaltsleeres Schlagwort, sondern längst konkrete betriebliche Realität geworden. Lernfähigkeit und Lernbereitschaft gehören zu den grundlegenden Voraussetzungen, um die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten, die materielle Existenz sichern und ein erfülltes Berufsleben führen zu können.

Aktuell finden sich die höchsten Anteile an Personen ohne Berufsabschluss in der Berufsgruppe der Hilfsarbeiter/innen, bei den Reinigungs- und Entsorgungsberufen, Montierern/innen und Metallberufen, Bauhilfsarbeitern/innen, Köchen/innen, Warenprüfern/innen, Hotel- und Gaststättenberufen, Lagerverwaltern/innen und Transportarbeitern/innen, Berufen in der spanlosen Metallverformung sowie in den haus- und ernährungswirtschaftlichen Berufen (Tabelle).

Geringqualifizierte nach Berufsgruppen
Anteil der Erwerbstätigen ohne  Berufsabschluss im Jahr 2012 in Prozent aller Erwerbstätigen in diesen Berufsgruppen

BerufsgruppeOhne
Berufsabschluss
Hilfsarbeiter/innen ohne nähere Tätigkeitsangabe51,8
Reinigungs- und Entsorgungsberufe46,3

Montierer/innen und Metallberufe

39,7

Bauhilfsarbeiter/innen

39,5

Köche/innen

39,0

Warenprüfer/innen, Versandfertigmacher/innen

36,6

Hotel- und Gaststättenberufe

36,3

Lagerverwalter/innen, Lager-, Transportarbeiter/innen

34,7

Berufe in der spanlosen Metallverformung

34,3

Haus- und ernährungswirtschaftliche Berufe

29,4

Berufe in der Metalloberflächenveredlung und Metallvergütung

29,0
Berufe in der Back-, Konditor-, Süßwarenherstellung
27,5
Verkaufspersonal25,7
 
ohne Abschluss: einschließlich ohne Angabe

Quellen: Statistisches Bundesamt, 2012; Institut der deutschen Wirtschaft Köln


Inwieweit die Unternehmen selbst angesichts drohender Fachkräfteengpässe ihre Aufmerksamkeit künftig auch auf die Erwachsenen richten, die zum einen keine abgeschlossene Berufsausbildung aufweisen und bei denen zum anderen häufig die basalen Mindestkompetenzen nicht im erforderlichen Maß vorhanden sind, bleibt offen. Denn drei von vier Unternehmen werden sich künftig ausschließlich auf die Rekrutierung von Fachkräften konzentrieren (Tabelle); dies entspricht der Bedarfslage. Ausreichende fachliche Qualifikationen der Mitarbeiter/innen sind Voraussetzung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.


Die Bereitschaft der Unternehmen, Geringqualifizierte in Zukunft einzustellen, kann als eher zurückhaltend bewertet werden. Nur etwa jedes vierte Unternehmen sieht – mit Einschränkungen – Beschäftigungsperspektiven für Erwerbspersonen ohne berufliche Qualifikation. Die Beschäftigungschancen für diese Personengruppe erhöhen sich jedoch auch dann nur unmerklich, wenn die Unternehmen die Annahme berücksichtigen sollen, dass künftig die Anzahl von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreicht, um den Personalbedarf zu befriedigen. Insgesamt stimmen rund 30 Prozent der befragten Unternehmen einer Rekrutierung von Geringqualifizierten unter diesem Vorbehalt zu.

Beschäftigungsperspektiven von Geringqualifizierten aus Sicht der Unternehmen
Auf die Frage „Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?“ antworteten so viel Prozent der befragten Unternehmen …

AussageStimme
zu
Stimme
eher zu
Stimme
eher nicht zu
Stimme
nicht zu
Keine Antwort
möglich
Wir werden auch künftig nur Fachkräfte einstellen.42,034,814,14,63,0
Wir werden künftig auch Geringqualifizierte einstellen.4,122,438,129,24,7

Wir werden künftig Geringqualifizierte einstellen, wenn wir keine ausreichende Anzahl von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt finden.

5,125,131,927,88,5

Wir würden künftig Geringqualifizierte nur dann einstellen, wenn wir staatliche Unterstützung erhalten.

5,017,328,237,210,7
 
Befragung von 1.114 Unternehmen zum Jahresende 2010
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln