header_fakten.png

Begriff Analphabetismus

Deutschland ist ein Land mit Schulpflicht und einem hochentwickelten Bildungssystem. Da ist es kaum begreiflich, wenn festgestellt wird, dass hierzulande Menschen leben, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, um Lebenssituationen zu bewältigen. Diese Personen werden als funktionale Analphabeten bezeichnet. Laut Leo.-Level-One-Studie gibt es in Deutschland 7,5 Millionen Erwachsene, die „zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben“ können, „nicht jedoch zusammenhängende – auch kürzere – Texte“.
Download | PDF extern

Eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern hat sich im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Förderschwerpunkts Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener mit dieser Thematik intensiv beschäftigt. Die Wissenschaftler kommen zum Ergebnis, dass funktionaler Analphabetismus dann vorliegt, wenn „die schriftsprachlichen Kompetenzen von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind und als selbstverständlich vorausgesetzt werden, um den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Diese schriftsprachlichen Kompetenzen werden als notwendig erachtet, um gesellschaftliche Teilhabe und die Realisierung individueller Verwirklichungschancen zu eröffnen“.
Download I PDF extern

Demnach betont funktionaler Analphabetismus vorrangig die Verfügbarkeit von schriftsprachlichen Fähigkeiten, während der Begriff Grundbildung neben der Fähigkeit, lesen, schreiben und rechnen zu können, weitere basale Anforderungen voraussetzt – zum Beispiel soziale und personale Kompetenzen, den Umgang mit Technologien, Englischkenntnisse sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zum selbstständigen Lernen. Hinzu kommen geschichtliche, kulturelle, wirtschaftliche, naturwissenschaftliche, technische Grundkenntnisse, die zur Bewältigung von Lebens- und Arbeitssituationen in der Gesellschaft wichtig sind. Diese erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten muss der Einzelne anwenden und selbstständig weiterentwickeln können. Grundbildung beinhaltet somit immer auch um ein dynamisches Konzept: Einerseits geht es um den Erwerb der mindestens erforderlichen literalen Kenntnisse; andererseits um die Fähigkeit des Individuums, dieses Wissen in unterschiedlichen und sich ändernden Handlungssituationen anzuwenden, es an neue Bedingungen anzupassen und weiterzuentwickeln.

Seit den 1990er Jahren werden im Kontext der so genannten Alphabetisierungsarbeit in der Erwachsenenbildung Konzepte von Grundbildung diskutiert. Grundbildung wird dabei – wie beschrieben – als der umfassendere Begriff gesehen.