header_fakten.png

Arbeitsplatzbezogene Grundbildung

Aus personalökonomischer und betriebswirtschaftlicher Sicht sehen sich Unternehmen zumeist dann aufgefordert, Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildung für Mitarbeiter/innen zu organisieren und zu finanzieren, wenn es um die Vermittlung betriebsrelevanter Inhalte und Kenntnisse geht oder – allgemein formuliert – der Effizienz und der Qualität von Prozessen und Produkten des Unternehmens dient. Fehlen bei Erwerbspersonen die notwendigen qualifikatorischen Voraussetzungen, ist davon auszugehen, dass Einarbeitungszeiten und Schulungsmaßnahmen, die für eine beschäftigungsadäquate Mindestqualifikation erforderlich sind, sich als (zu) zeit- und kostenintensiv erweisen könnten. Überdies besteht hinsichtlich des Erfolgs solcher Maßnahmen eine Prognoseunsicherheit, ob Geringqualifizierte mithilfe entsprechender Qualifikationsmaßnahmen ein erwartetes Fachkräfteniveau erreichen (können). Deshalb stellt sich die Frage, inwieweit Unternehmen einen Anlass haben, nachholende Grundbildung für Beschäftigte anzubieten und zu finanzieren.

 

Bereitschaft zur Förderung von arbeitsplatzorientierter Grundbildung
Auf die Frage „Inwieweit stimmen sie den folgenden Aussagen zu?“ antworteten so viel Prozent der befragten Unternehmen …

 

AussageStimme
zu
Stimme
eher zu
Stimme
eher nicht zu
Stimme
nicht zu
Keine Antwort
möglich
Wir wären bereit, für Geringqualifizierte nachholende Grundbildung am Arbeitsplatz zu fördern.5,425,431,623,912,2
Wir wären nur bereit, für Geringqualifizierte nachholende Grundbildung am Arbeitsplatz zu fördern, wenn wir staatliche Unterstützung erhalten.8,127,820,630,611,4
 
Differenz zu 100: Antwortkategorie „Keine Angabe“
Befragung von 1.114 Unternehmen zum Jahresende 2010
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

Gut drei von zehn Unternehmen bejahen tendenziell eine solche Bereitschaft, nachholende Grundbildung am Arbeitsplatz zu fördern. Dieser Wert entspricht dem Anteil der Unternehmen, die aufgrund des absehbaren Fachkräfteengpasses die Absicht haben, zur Bedarfsdeckung auch auf (betrieblich nachzuschulende) Geringqualifizierte zurückzugreifen. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe schließt jedoch entsprechende Förderaktivitäten für Geringqualifizierte mehr oder weniger aus (Tabelle). Etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen wäre bereit, nachholende Grundbildung am Arbeitsplatz für Geringqualifizierte durchzuführen, wenn sie dabei finanziell unterstützt würden. Am ehesten tendieren noch Industriebetriebe mit mehr als 250 Beschäftigten dazu, sich dieser Herausforderung zu stellen. Gleichwohl sieht jedes zweite Unternehmen in einem entsprechenden Förderszenario keine Veranlassung, sich in der nachholenden Grundbildung am Arbeitsplatz zu engagieren.

Der Bedarf an arbeitsplatzorientierter Grundbildung wird in deutschen Unternehmen vergleichsweise gering eingeschätzt. Allerdings gibt es, wie die dargestellten IW-Befragungsergebnisse zeigen, durchaus ein – wenn auch – begrenztes Interesse an dieser Qualifizierungsthematik. Doch ist dieses Interesse abhängig von einem vorhandenen Bedarf. Der Blick in die betriebliche Praxis zeigt: Unternehmen reagieren mit Weiterbildungsangeboten für Geringqualifizierte, wenn zum Beispiel Umstrukturierungen am Arbeitsplatz notwendig werden und dabei auffällt, dass Mitarbeiter/innen nicht die notwendigen Lese- und Schreibfähigkeiten haben.